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Inhaltsverzeichnis: Overfull \hbox und zu große Abstände

Es scheint mir ein Anfänger-Problem zu sein, aber ich finde dennoch keine Lösung...

Wenn mein Dokument mindestens 100 Seiten lang ist, stehen bei den Kapiteln die dreistelligen Seitenzahlen im Inhaltsverzeichnis zu weit rechts, so dass man auch den "Overfull \hbox"-Hinweis erhält.
Zudem sind die Abstände zwischen den Kapitel-Nummern und dem Text sehr groß. (Offensichtlich wird immer Platz für eine dreistellige Kapitel-Nummer reserviert.)

\documentclass{scrbook}
\usepackage[ngerman]{babel}
\setlength{\overfullrule}{10pt}
\begin{document}
\tableofcontents
\setcounter{page}{100}
\chapter{Aprikose}
\section{Brombeere}
\subsection{Clementine}
\end{document}

Beide Probleme sind behoben, wenn ich das Paket tocstyle mit der Option KOMAlike verwende. Allerdings wird man ja überall darauf hingewiesen, dass dieses nicht mehr genutzt werden sollte. Zudem ist der Nachteil, dass die tocbasic-Befehle dann nicht mehr funktionieren.

Gibt es hier nicht irgendeine vergleichbar einfache Lösung, ohne die Verwendung von tocstyle?

Danke im voraus für Tipps!!

[Admin-Edit: blockquote durch blockcode ersetzt und noch ein paar kleiner Formatierunggeschichten.]

Bild von Markus Kohm

Das sind mal wieder zwei Fragen auf einmal. Ich finde es generell besser, wenn immer nur eine auf einmal gestellt wird. Dadurch wird das Forum übersichtlicher.

Kommen wir erst zu der overfull \hbox. Die kommt daher, dass der Platz für Seitenzahlen begrenzt ist. Man kann ihn entweder global ändern, indem man \@pnumwidth umdefiniert oder man ändert ihn einfach über \DeclareTOCStyleEntry den Wert für pagenumberwidth des Stils tocline oder über \RedeclareSectionCommand bzw. \RedeclareSectionCommands entsprechend tocpagenumberwidth für die Ebenen, für die man einen anderen Wert haben will. Dabei kann man über die Wert-Zuweisung mit +=, die in der Anleitung für KOMA-Script ab Version 3.27 dokumentiert ist, auch einen Wert zum existierenden Wert hinzuzählen.

Für die Breite, die für die Gliederungsnummer im Inhaltsverzeichnis reserviert ist, gibt es mit numwidth bzw. tocnumwidth ebenfalls eine Einstellmöglichkeit. In der Regel wird man dann auch den Einzug der anderen Ebenen, indent bzw. tocindent entsprechend anpassen wollen. Will man das nicht, kann man auch einfach mit dynnumwidth bzw. tocdynnumwidth arbeiten.

Näheres zu den Einstellmöglichkeiten ist der KOMA-Script-Anleitung und dem KOMA-Script-Buch (ab der 7. Auflage), u. a. Abbildung 15.3 und Tabelle 15.1, aber auch den Erklärungen zu den genannten Befehlen zu entnehmen.

Hier noch ein Beispiel:

\documentclass[overfullrule]{scrbook}
\usepackage[ngerman]{babel}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth+=-.5em,tocpagenumberwidth+=1em]{chapter}
\RedeclareSectionCommands[tocindent+=-.5em]{section,subsection,subsubsection,paragraph,subparagraph}
\begin{document}
\tableofcontents
\setcounter{page}{100}
\chapter{Aprikose}
\section{Brombeere}
\subsection{Clementine}
\end{document}

Ich finde übrigens, dass das Ergebnis so hässlich unausgewogen ist und man auf die Änderung der Nummernbreite und des Einzugs besser verzichten sollte. Aber zur Verdeutlichung passt das ganz gut.

Achja, ich habe mir erlaubt, Option overfullrule zu verwenden. Wozu gibt es die schließlich?

Vielen Dank für die schnelle und hilfreiche Antwort. Das ist genau die Information, die ich gesucht habe. Trotz stundenlanger Recherche in Kapitel 15 der Anleitung (insbesondere Tabelle 15.1) und Herumprobieren, hatte ich es nicht hinbekommen, da mir nicht richtig klar war, wie ich die Attribute "zum Einsatz bringen" kann.. :-|

Was die Breite der Gliederungsnummern und den Einzug betrifft, liegt wohl ein Missverständnis vor. Mit "Kapitel-Nummern" meinte ich allgemein die Gliederungsnummern (also alle Ebenen). Ich vermute, dass Du mit "hässlich unausgewogen" den Unterschied zwischen dem Abstand beim Kapitel und den übrigen Abständen meinst, da Du im Beispiel ja nur den für die Kapitel geändert hast. Wenn ich es richtig sehe, müsste man es in Bezug auf Dein Beispiel ungefähr so lösen:

\RedeclareSectionCommand[tocpagenumberwidth+=1em]{chapter}
\RedeclareSectionCommands[tocnumwidth+=-.5em]{chapter,section,subsection,subsubsection,paragraph,subparagraph}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-.5em]{section}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-1em]{subsection}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-1.5em]{subsubsection}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-2em]{paragraph}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-2.5em]{subparagraph}

Bei dem ganzen Herumprobieren mit den Abständen ist mir aufgefallen, dass ab subsection der Abstand zwischen Nummer und Text bei jeder Gliederungsebene um ca. .15em anwächst. - Ist das Absicht?
Einheitlich gefällt es mir besser. Bis auf Weiteres sieht für mich die optimale Lösung so aus:

\RedeclareSectionCommand[tocpagenumberwidth+=.25em]{chapter}
\RedeclareSectionCommands[tocnumwidth+=-.25em]{chapter,section}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth+=-.4em]{subsection}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth+=-.55em]{subsubsection}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth+=-.7em]{paragraph}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth+=-.85em]{subparagraph}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-.25em]{section}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-.5em]{subsection}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-.9em]{subsubsection}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-1.45em]{paragraph}
\RedeclareSectionCommand[tocindent+=-2.15em]{subparagraph}

(Habe eine geringe Reduzierung des Abstands als in Deinem Beispiel gewählt.)

[Admin-Edit: Kommentar sinngerecht im Diskussionsbaum verschoben.]

Bild von Markus Kohm

Zu den Voreinstellungen in KOMA-Script, die schon 1994 (eigentlich 1993, als ich es entwickelt habe) getroffen wurden, gibt es einen FAQ-Eintrag: Warum sind die Voreinstellungen so gewählt?

Im konkreten Fall stammen die AFAIK sogar aus den Standardklassen. Ich würde aber auch dringend davon abraten alle sechs Ebenen ins Inhaltsverzeichnis aufzunehmen. Das wird dann eher unübersichtlich. Wenn man das macht, würde ich außerdem eher dazu raten, eine andere Form von Inhaltsverzeichnis zu verwenden, beispielsweise toc=flat. Dann muss man sich auch nicht mehr um die Nummernbreiten und die Abstände kümmern.

Genau genommen würde ich sogar davon abraten, mehr als drei bis vier Gliederungsebenen zu verwenden. Und schon gar nicht würde ich mehr als drei bis vier Gliederungsebenen nummerieren. Besonders toll wird es, wenn jemand sechs Gliederungsebenen verwendet, aber diese ohne Motivation (= einleitenden Text) untereinander klatscht und dann eine Aufzählung mit weiteren vier Ebenen dazu packt und in der letzten Ebene eine nummerierte Gleichung einfügt. Ja, das habe ich mit zwei Ebenen Aufzählung in der Tat schon erlebt, einschließlich Verweis in der Form: »Siehe dazu Gleichung 3 unter Punkt 1.a) in Abschnitt 1.2.3.4.5.6.« (wobei die Referenzierung des Aufzählungpunktes auch noch typografisch und stilistisch falsch ist, nämlich schlicht »1a« lauten müsste). Wobei ich an der Verwendung der Aufzählung nicht ganz unschuldig war, weil derjenige eigentlich zwei weitere Gliederungsebenen haben wollte und ich ihm stattdessen eine Aufzählung empfohlen habe. Mea culpa, mea maxima cupla.

Du verstehst hoffentlich, worauf ich hinaus will. Ich will damit sagen: »Mach, was immer Du willst. Solange ich es nicht lesen muss, ist meine Aufgabe darin erschöpft, Werkzeuge bereit zu stellen und ein paar Warnungen vor deren Missbrauch auszusprechen.«

Ich denke, ich kann Deine Hinweise nachvollziehen.

In meinen eigenen Texten habe ich bisher nie mehr als drei Gliederungsebenen verwendet. Selbst wenn ich mal eine vierte einsetze, würde ich diese wahrscheinlich nicht ins Inhaltsverzeichnis aufnehmen, da mir das tatsächlich auch zu unübersichtlich wäre und ich außerdem in den meisten Fällen wohl auch keine Notwendigkeit sehen würde, solche "Details" im Inhaltsverzeichnis aufzuführen. Bei der Wahl des Codes in meiner Antwort war meine Überlegung, dass man für Leser dieses Beitrags, die vielleicht dasselbe Problem haben, aber mehr Gliederungsebenen verwenden, diesen gleich vollständig für alle Ebenen angeben sollte. Ich dachte, das wäre auch der Grund, warum Du selbst in Deinem Beispiel auf sämtliche Ebenen erweitert hattest.

Allerdings setze ich z.T. auch Editionen klassischer Texte. Dort habe ich es mit bis zu fünf Gliederungsebenen (auch im Inhaltsverzeichnis) zu tun. Da ich, allein schon wegen der Zitierfähigkeit, "texttreu" bleiben muss und die Gliederungsstruktur nicht einfach ändern kann, muss ich es in diesem Fall dann auch irgendwie umsetzen.

Bei vielen Ebenen dann ein flaches Inhaltsverzeichnis zu verwenden, ist, zumindest für meinen Geschmack, leider nicht viel besser. Ich hatte gerade die Buchversion einer Dissertation gelesen, bei der das so umgesetzt war, und empfand es als sehr störend, dass ich wegen der fehlenden Einrückungen quasi immer erst die ganzen Zahlenblöcke "analysieren" musste, um die genaue Gliederungsstruktur zu erfassen. ... Aber ist vermutlich tatsächlich auch ein wenig Geschmacksache.

Die Frage nach den stetig größer werdenden Abständen zwischen Nummer und Text war erstmal gar nicht als Kritik oder Anregung gemeint. Ich bin kein professioneller Setzer. Deshalb hatte es mich interessiert, ob das einen bestimmten Grund hat, da ich mir erstmal nicht erklären kann, warum das sinnvoll sein könnte. (Es scheint, zumindest bei Büchern, auch nicht der Standard zu sein. Und um eine relative Vergrößerung der Einrückungen kann es eigentlich auch nicht gehen, da diese ja ohnehin schon durch die größer werdenden Zahlenblöcke gegeben ist.)

Bild von Markus Kohm

Ich werte Nachfragen oder auch Kritik nicht als persönlichen Angriff. Im Gegenteil wird Mitdenken (und Dazulernen ;-)) von mir sogar anerkannt, weshalb ich gleich mal bei Dir die Privilegien hochschrauben werde, damit Du künftig keine Captcha-Fragen mehr ausfüllen musst.

Es ist einfach so, dass die Voreinstellungen für das Inhaltsverzeichnis vor meiner Zeit entstanden sind. Ich kann also nur vermuten, was dahinter steckt. Tatsächlich steigt da übrigens nicht der Abstand zwischen Nummer und Text, sondern nur der für Nummern reservierte Platz. Das liegt daran, dass die Nummern schon allein durch die Mehrgliedrigkeit immer mehr Platz benötigen. Dazu wird vermutlich erwartet, dass bei tieferen Gliederungen auch die Wahrscheinlichkeit von mehrstelligen Nummern der einzelnen Ebenen deutlich wächst. Für 1.1.1.1.1 alleine würde ja die tiefe Untergliederung keinen Sinn ergeben. Für 1.1.12.24.144 ist das schon deutlich sinnvoller. Der Ursprung von KOMA-Script, nämlich Script für LaTeX 2.09, war ja für Vorlesungsskripte.

Aber mit Voreinstellungen ist das eben immer so eine Sache: Den einen passen sie prima, den anderen gar nicht. Und dazwischen gibt es eine ganze Menge Abstufungen. Wenn Du in der Regel etwas anderes brauchst, dann schreib Dir entweder ein Paket oder eine Wrapper-Klasse, um die Voreinstellung auf das zu ändert, was Du häufig brauchst. Wenn Du es mal so, mal so brauchst, musst Du aber auch das dann wieder abändern. ;-)

Gerade fällt mir noch etwas ein: Neuerdings kann man die unterste Ebene im Inhaltsverzeichnis auch als Absatz setzen, also ohne Zeilenumbruch zwischen den einzelnen Einträgen. Das ist aber natürlich nur sinnvoll, wenn die Überschriften auf der Ebene sehr kurz sind. Dann spart das etwas Platz und erhöht die Übersicht auf den Ebenen darüber. Dafür leidet die Übersicht dieser Ebene stark, weshalb ich das selbst eigentlich nie verwende. Meiner Meinung nach kann man dann nämlich auch gleich auf die Ebene im Inhaltsverzeichnis verzichten.

So langsam wird mir klar, wie hier die ganzen Zusammenhänge sind. Die Voreinstellungen sind quasi eine "one size fits all"-Lösung, die nicht für alle konkreten Fälle optimal sein kann. Und Du hast natürlich Recht, dass das mit etwaigen mehrstelligen Zahlen zu tun hat.
Allerdings scheint mir das, was Du schreibst, nur zum Teil richtig.
Zum einen: Ja, der Platz muss natürlich wegen der hinzukommenden Gliederungsnummern anwachsen, aber bei den Voreinstellungen wird er bewusst darüber hinaus noch vergrößert. (Anderenfalls würde auch der Abstand zwischen Zahl und Text nicht größer werden.)
Zum anderen: Man muss gar nicht erst eine Theorie über eine höhere Wahrscheinlichkeit von mehrstelligen Nummern in tieferen Ebenen aufstellen. (Welche mir auch nicht wirklich schlüssig erscheint. Warum sollte eine sehr tiefe Ebene nicht in drei oder vier Unterpunkte unterteilt sein?) Schon allein die bloße Tatsache, dass es sich um eine tiefere Ebene handelt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass im Zahlenblock öfter zweistellige Nummern auftauchen. (Bei section besteht zweimal die "Chance" auf mehrere Stellen, bei subsubsection schon viermal.)
Wenn ich es richtig sehe, sprengen dreistellige Nummern, zumindest bis subsubsection in jedem Fall den Rahmen. (Ab paragraph könnte es passen. Allerdings auch nur wenn davor ausschließlich einstellige Nummern stehen.)

Im Prinzip müsste es so sein, dass die Breite nur dann (über den normalen Zuwachs hinaus) vergrößert wird, wenn tatsächlich mehrstellige Nummern vorkommen. Beim tocstyle-Paket hattest Du das ja auch so umgesetzt. Der Vorteil ist, dass es dann streng systematisch und einheitlich ist. Der Nachteil ist, dass es, rein vom optischen Eindruck her, etwas unausgewogener wirkt als mit den Voreinstellungen. Wenn man z.B. ein Unterkapitel 3.10 mit Unter-Unterkapiteln hat, ist dann der Abstand zwischen Nummer und Text bei den Unter-Unterkapiteln deutlich schmäler als bei den Unterkapiteln 3.1 bis 3.9. Wenn man die Voreinstellungen verwendet, liegt der Abstand bei den Unter-Unterkapiteln ungefähr in der Mitte zwischen dem bei 3.1 bis 3.9 und dem bei 3.10, was optisch gar nicht so schlecht aussieht... Daher denke ich mittlerweile, dass die Voreinstellungen, dafür dass es sich um eine "one size fits all"-Lösung handelt, gar nicht so schlecht gewählt sind und die Leute, die das festgelegt haben, sich vermutlich doch etwas dabei gedacht haben.

Grundsätzlich scheint es mir mittlerweile so, dass es die absolut perfekte, allgemein gültige Lösung gar nicht gibt. Das Problem der mehrstelligen Ziffern wäre für mich im Prinzip schon Grund genug, bei der Gliederung am besten gar nicht erst in den zweistelligen Bereich zu gehen. Wenn man überall einstellig bleibt und einen einheitlichen Abstand festlegt, sieht es immer noch am besten aus.

Es wundert mich etwas, dass diese Thematik nicht öfter zur Sprache kommt. Aber vermutlich nehmen es die meisten Leute nicht so genau.
Ich hatte mir ohnehin gestern das alles noch einmal näher angeschaut und u.a. auch gesehen, dass in Kapitel 21 der Anleitung die Werte der Voreinstellungen angegeben sind. Wie dem auch sei... - Falls es da draußen Leute gibt, die Interesse an exakt einheitlichen Abständen im Inhaltsverzeichnis haben, kann ich nun, nach genauestem Ausmessen und Überprüfen, mit folgenden Werten weiterhelfen:

Startwert 1.5em (Standardbreite; geeignet für zweistellige Nummern [zumindest solange in jedem Zahlenblock nicht mehr als eine zweistellige Nummer vorkommt]):

\RedeclareSectionCommand[tocpagenumberwidth+=.2em]{chapter} % Für Seitenzahlen > 99
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=1.5em]{chapter}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=2.2em]{section}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=2.95em]{subsection}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=3.7em]{subsubsection}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=4.45em]{paragraph}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=5.2em]{subparagraph}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=1.5em]{section}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=3.7em]{subsection}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=6.65em]{subsubsection}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=10.35em]{paragraph}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=14.8em]{subparagraph}

Startwert 1.2em (meine Empfehlung für Inhaltsverzeichnisse mit ausschließlich einstelligen Nummern in den Zahlenblöcken):

\RedeclareSectionCommand[tocpagenumberwidth+=.2em]{chapter} % Für Seitenzahlen > 99
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=1.2em]{chapter}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=1.9em]{section}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=2.65em]{subsection}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=3.4em]{subsubsection}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=4.15em]{paragraph}
\RedeclareSectionCommand[tocnumwidth=4.9em]{subparagraph}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=1.2em]{section}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=3.1em]{subsection}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=5.75em]{subsubsection}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=9.15em]{paragraph}
\RedeclareSectionCommand[tocindent=13.3em]{subparagraph}

Wenn tatsächlich paragraph oder subparagraph genutzt und auch im Inhaltsverzeichnis aufgeführt werden, ist es vermutlich sinnvoll ab einer bestimmten Ebene auf alphabetische Nummerierung zu wechseln. In diesem Fall müssten die Werte dieser Ebenen dann natürlich entsprechend geändert werden, damit diese bündig eingerückt sind. Die angegebenen Werte sind die für eine durchgehende Nummerierung mit Zahlenblöcken.

Wer einen individuellen Startwert festlegen möchte, kann gerne unter http://logikundnatur.de/toc.xlsx eine kleine Excel-Tabelle herunterladen, die für einen eingegebenen Startwert automatisch alle Werte ausrechnet.
Keine Ahnung, ob man daraus ein Paket machen kann. Werde ich evtl. demnächst mal recherchieren.

Bild von Markus Kohm

em ist zwar eine schriftabhängige Größe, aber es ist keineswegs gesagt, dass eine Ziffer bei jedem Font immer dieselbe Breite in em hat. Es gibt sogar Fonts, bei denen jede Ziffer eine andere Breite hat.

Ja, dieser Gedanke kam mir auch.
Allerdings hatte ich es zumindest für die Standard-Einstellung und für mehrere andere übliche Fonts bei verschiedenen Ziffern getestet. Da hatten die Ziffern tatsächlich alle dieselbe em-Breite. Von daher denke ich, dass es in den allermeisten Fällen hinhauen sollte. Meine Überlegung war dann: Wenn jemand eine sehr spezielle Schriftart verwendet und es dann nicht passt, wird er/sie sich schon denken, dass es mit dem Font zu tun hat.. ;-)

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Dass es für Kapitel eine Warnung gibt, für Abschnitte aber nicht, liegt gerade daran, dass die Breiten nicht identisch sind.

Liegt das nicht daran, dass dort die Zahlen fett gesetzt werden?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es häufig vorkommt, dass jemand die Gliederungsnummern ab section im Inhaltsverzeichnis fett ausgeben lässt.

Bild von Markus Kohm

Auch ein fetter Font ist ein anderer Font innerhalb derselben Schriftfamilie. Und wie gesagt, ist das nicht fett setzen der Seitenzahlen eines der Dinge, die ich für empfehlenswert halte. Ich glaube, ich muss irgendwann einmal sammeln, welche Änderungen ich empfehlenswert finde. Wobei das nicht so einfach ist, weil Änderungen an einer Stelle oft nur dann gut sind, wenn man an anderer Stelle auch ändert. AFAIK hat Axel vor vielen Jahren mal Beispieleinstellungen mit nicht fetten Antiqua-Überschriften veröffentlicht. Die Umstellung hat einen ganzen Rattenschwanz an weiteren Änderungen nach sich gezogen. Man kann ja beispielsweise nicht die Überschriften kleiner und nicht fett machen und dann die in einer Stichwortliste die Stichworte fett setzen. Wenn man außerdem die Grotesk in den Überschriften ersetzt, um weniger Fonts zu verwenden, sollte man an anderer Stelle auch nicht mehr auf die Grotesk ausweichen. Damit bleibt als Schriftauszeichnung nur noch Größe und kursiv (schräg gestellt ist bäh). Und das in Zeiten, in denen immer mehr Bücher in Farbe gedruckt werden, damit die Autoren auch noch das nutzen können …

Wäre es bei der tocpagenumberwidth von chapter nicht tatsächlich sinnvoll, in Zukunft mal die Voreinstellung abzuändern? Zumindest bei Büchern sind mehr als 99 Seiten ja eher die Regel als die Ausnahme und es genügt schon eine Erhöhung des Wertes um gerade einmal 0.1em. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Mini-Stück beim Platz für die Kapitelüberschriften vermisst werden wird.

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Dass die Seitenzahlen für Teil- und Kapiteleinträge fett (bzw. größer und fett) gesetzt werden, wie das in der Voreinstellung von KOMA-Script (und bei den Standardklassen) gemacht wird, ist eigentlich eher unüblich. Deshalb ist das auch eine der Einstellungen, die ich beim KOMA-Script-Buch geändert habe. Wobei man heutzutage mit »(un)üblich« im Buchdruck vorsichtig sein muss. Es gibt inzwischen mehr als genug Verlage, die in ihren Buchdesigns sehr kreativ sind.

Und bei tief geschachtelten Verzeichnissen ist es auch nicht zwingend, dass der Einzug der Ebene darunter immer um Einzug + Nummernbreite der Ebene darüber erfolgt. Das ergibt dann zwar mehr optische Stufen, aber ggf. auch mehr Platz für den Text auf den unteren Ebenen.

Es gibt eben sehr viele Aspekte zu bedenken, die sehr individuell zu gewichten sind.

Achja: Bei part und chapter habe ich tatsächlich vor einiger Zeit (nämlich bei Einführung der Verzeichniseintragsstile) schon eine Änderung vorgenommen als mir aufgefallen ist, dass bei den beiden Einträgen \@pnumwidth und \@tocrmarg anders interpretiert wurden als bei den anderen Ebenen, was sogar zu Darstellungsfehlern führen konnte. Ich habe das dann vereinheitlicht. Dadurch wurde auf der anderen Seite das mögliche Darstellungsproblem in Form der overful \hbox erst offenkundig. Bestanden hat es aber vorher bereits.

Die Frage nach den Voreinstellungen taucht ja nicht zum ersten Mal auf. Ich habe mich schon mehrmals gefragt, ob es eventuell sinnvoll wäre, ein Option [KOMA]style oder [KOMA]preset zu definieren, mit der sich von dir als wesentlich sinnvoller erachtete Voreinstellungen aktivieren ließen. Aber das ist wohl etwas, was du -- ähnlich wie die Überlegung die Klassen mit \documentclass[type=book|report|article]{koma-class} neu zu strukturieren -- wohl nicht mehr in Angriff nehmen wirst. Ist auch absolut nicht tragisch, ich wollte es bloß kundtun.

Bild von Markus Kohm

Das ist einer der Ideen, die mir mal vorschwebten und die sogar eine ganze Menge tiefgreifender Änderungen und Erweiterungen an KOMA-Script motiviert hat. Tatsächlich gehört es zu den Dingen, die ich unbedingt mal machen wollte, weil eben Designideen umzusetzen, mehr Spaß macht, als Anleitungen schreiben und Fleißarbeit bei der Implementierung zu leisten und zu testen und zu testen und zu testen und dann doch wieder Bug zu übersehen und beheben zu müssen und dann wieder zu testen und zu testen und zu …

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