Sie sind hier

typographisch "korrekte" Unterstreichung

Um es gleich vorwegzunehmen: Daß Unterstreichungen im Druck eigentlich nichts verloren haben, ist mir völlig klar.
Trotzdem muß man sie manchmal verwenden – sei es, weil ein Autor darauf besteht, weil man verschiedene Auszeichnungsarten braucht oder weil man eine Quelle originalgetreu wiedergeben muß.

Die Minimalforderung an erträgliche Unterstreichungen ist meiner Meinung nach, daß sie die Unterlängen nicht schneiden – das kann mit soul recht einfach erreicht werden. Ich würde es aber oft vorziehen, wenn man die Unterstreichung nicht ganz so tief setzen müsste, dafür aber lieber die Unterlängen aussparen würde.
MacOS' TextEdit macht das – mit unterschiedlich gutem Resultat je nach Schrift – inzwischen automatisch. Evtl auch andere Textverarbeitungsprogramme, ich habe das nicht weiter untersucht.

Meine Fragen wären: Haltet Ihr diese Art der Unterstreichung auch für das kleinere Übel? Und gibt es eine Möglichkeit, sie in LaTeX umzusetzen?

forum: 

Um Unterlängen auszusparen müsste man eine Glyphenanalyse, also eine Analyse der Form des Zeichens durchführen. Für TeX sind Zeichen aber nur rechteckige Boxen. Damit bleiben nur zwei Lösungen:

  • Die Analyse selbst durchführen und den zu unterstreichenden Text zeichenweise zerlegen (machen Pakete wie soul und ulem AFAIK bereits) und dann für jedes einzelne Zeichen, jedes einzelnen Fonts eine korrekte Unterstreichung definieren.
  • Einen Font erstellen, bei dem die Unterstreichung bereits Teil der Zeichen ist.

In beiden Fällen kann das Kerning zum Problem werden.

Von Programmen, die keine Glyphenanalyse durchführen, sondern heuristische Annahmen treffen, wo die Unterlänge im Weg sein könnte, halte ich übrigens gar nichts. Entweder macht man es richtig, oder man lässt es bleiben. Beim Unterstreichen frage ich mich schon, warum man etwas typografisch korrekt machen sollte, was man nach typografischen Gesichtspunkten besser bleiben lassen sollte.

PS: Bitte nicht den File-Bereich mit überflüssigen Screenshots belegen. Ich denke, es kann sich jeder vorstellen, wie Unterstriche aussehen, die Unterlängen scheiden, und wie man die Unterlängen dabei aussparen kann. Der Plattenplatz auf dem Server wird leider von Jahr zu Jahr zunehmend zur kritischen Größe. Die wenigen, die Anhänge verwenden dürfen, sollten diese daher vorzugsweise für die Bereitstellung von Lösungen nutzen.

Comments for "typographisch "korrekte" Unterstreichung" abonnieren