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Es geschehen noch Zeichen und Wunder

So zumindest kommt es einem manchmal vor. Für den Anwender könnte eines diese Wunder sein, dass es nach vier Jahren endlich eine neue, überarbeitete Auflage des KOMA-Script-Buches geben wird. Dass es dieses Mal so lange gedauert hat, hat zwei Ursachen. An erster Stelle richtet sich eine Neuauflage nach der Nachfrage. Bis zur vierten Auflage war die Nachfrage nach einem gedruckten Buch sehr hoch. Die dritte Auflage war sogar so stark nachgefragt, dass es davon inhaltlich unveränderte Nachdrucke gegeben hat. Bei der fünften Auflage war die Nachfrage dagegen von Anfang an eher moderat. Die Verkaufszahlen blieben zwar über die vier Jahre recht stabil aber insgesamt stellte sich mir doch die Frage, ob sich die ganze Arbeit für eine sechste Auflage überhaupt lohnt. Scheinbar hat diese sechste Auflage nur 88 Seiten mehr. Tatsächlich kam aber so viel neues hinzu, dass ich mich gezwungen sah, einige weniger wichtige Kapitel aus dem Anhang zu entfernen und auch sonst moderat zu kürzen. Ohne das wären es mehr als 100 Seiten mehr geworden. Erfreulicher Weise konnte der Verlag den Preis so halten.

Für ein kleines Wunder halte ich es immer, wenn sich bei mir jemand aus fernen Ländern meldet um nachzufragen, ob ich denn Interesse an einer verbesserten oder besseren Übersetzung der KOMA-Script-Anleitung habe. Ja, natürlich, immer gerne, pflege ich dann zu antworten. So auch, als Karl Hagen sich bei mir in perfektem Deutsch gemeldet hat und mir deshalb erst auf den zweiten Blick klar wurde, dass das gar nicht seine Muttersprache ist, sondern er sich stattdessen im Englischen heimisch fühlt. So weit vielleicht noch kein Wunder. Das Wunder in meinen Augen ist, dass er nicht einfach die vorhandene englische Anleitung genommen und die Fehler darin korrigiert hat, sondern in weiten Teile eine komplett neue Übersetzung geschaffen hat. Und noch wird er nicht müde, dies auf die komplette Anleitung auszudehnen. So ist davon auszugehen, dass in der nächsten KOMA-Script-Release in der Tat eine sprachlich einwandfreie, vollständige, englische Übersetzung enthalten sein wird.

Kein Wunder ist, dass es nahezu zeitgleich mit dem neuen KOMA-Script-Buch auch eine neue KOMA-Script-Release geben sollte. Das ist nicht ganz gelungen. Die eBook-Version des Buches ist bereits verfügbar und bezieht sich auf KOMA-Script 3.25. Derzeit auf CTAN und in den TeX-Distributionen enthalten ist noch KOMA-Script 3.24. Ursache für die Verzögerung ist die oben erwähnte Neuübersetzung der Anleitung. Natürlich möchte ich gerne, dass KOMA-Script 3.25 zumindest in den wichtigsten Kapiteln davon profitiert. Nur so kann ich behaupten, dass KOMA-Script 3.25 das beste KOMA-Script ist, das je erschienen ist. Offiziell wird das gedruckte Buch ab Anfang April verfügbar sein. Dann soll auch KOMA-Script 3.25 erscheinen. Ob ich den Termin ganz halten kann, ist momentan aus persönlichen Gründen aber nicht zu sagen. Wann die TeX-Distributionen die Release dann bereitstellen, liegt außerhalb meines Einflusses. Derzeit findet bei TeX Live gerade die Testphase von TeX Live 2018 statt. Anwender von TeX Live 2017 sind also gegebenenfalls auf mein eigenes Repository angewiesen.

Tja, mancher Anwender wird es vielleicht auch als Wunder betrachten, dass nach über sechs Monaten tatsächlich wieder eine neue KOMA-Script-Version erscheint. Schon bei Version 3.22a hatte ich angekündigt, Neuerungen nur noch auf explizite Nachfrage einzubauen. Auch hatte ich schon dort explizit darauf hingewiesen, dass ich Fehler nur beseitigen kann, wenn sie mir gemeldet werden. Wundersamer Weise gibt es Menschen, die das hin und wieder tun – meist für Fehler, die sie gar nicht selbst entdeckt haben, und für Erweiterungen, die sie gar nicht selbst unbedingt benötigen, sondern für Dinge, die sie irgendwo in einem Forum gefunden haben und die mir der tatsächlich Betroffene nie gemeldet hat. Die meisten Anwender scheinen sich inzwischen auf solche Wunder zu verlassen.

Persönlich hatte ich dann noch das wunderliche Erlebnis, dass mein Taschenrechner, der mir seit über 40 Jahren gute Dienste geleistet hat, seinen Dienst endgültig eingestellt hat. Zwar habe ich all diesen Jahren zweimal versucht, ihn zu ersetzen, hatte mich aber an die Bedienung meines Privileg LC 814 PR – das Kürzel »PR« stand übrigens für »programmable«, was bei 45 Programmschritten=Tastendrücke vielleicht etwas großspurig war mir aber gute Dienste geleistet hat – so sehr gewöhnt, dass ich immer wieder zu ihm zurückgefunden habe. Sparsam war er auch: alle zehn Jahre zwei neue AA-Batterien. Irgendwie hatte ich erwartet, dass das Gerätchen mich noch überleben wird. Jetzt muss ich also tatsächlich doch noch einen neuen Taschenrechner erstehen und mich daran gewöhnen.

Auch wenn also viele Dinge tatsächlich gar keine Wunder sind, darf man sich doch über vieles wundern.

Bis demnächst
Markus

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