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Minimale Vorlage vs. maximale Probleme

Bild von Markus Kohm

Im Internet kursieren immer wieder LaTeX-Vorlagen für alle möglichen Arten von Dokumenten. Diese Vorlagen bestehen meist aus einer riesigen Präambel, in die alle möglichen teilweise sich widersprechende und total veraltete Pakete geladen werden und in der dann diverse interne Makros und Schnittstellenbefehle der Klasse und der Pakete umdefiniert und eine ganze Reihe neuer Befehle und Umgebungen definiert werden. Die meisten dieser Definitionen gehen dann auch noch von längst veralteten Klassen- und Paketversionen aus, werden von den Anwendern nie benötigt oder tun sogar etwas, was der Anwender gar nicht möchte. Um diesen ganzen Wust vor dem Anwender ein wenig zu verbergen, befindet sich die Präambel häufig in einer weiteren Datei, die per \input oder fälschlich sogar per \include in die Dokumentpräambel eingebunden wird. Da dieses ganze Gedöns dann auch noch von gar nicht über unzureichend bis hin zu falsch dokumentiert ist, führt die gesamte Vorlage früher oder später zwangsläufig in eine Falle. Ich empfehle daher in der Regel ein anderes Vorgehen, nämlich mit einem minimalen Dokument zu beginnen und darin dann nach und nach nur das einzubauen, womit sich der Anwender bereits beschäftigt hat und von dem er weiß, dass er es benötigt. Ganz nebenbei hat das auch den Vorteil, dass der Anwender wenigstens halbwegs versteht, was er da tut, und nicht mit dem unguten Gefühl leben muss, dass er die ganze Zeit im Nebel stochert.

Der allererste Schritt dazu sollte natürlich sein, sich eine gute, ausführliche LaTeX-Einführung zu besorgt und zumindest die Kapitel mit den grundlegenden Dingen durch zu arbeitet. Solche Einführungen sind beispielsweise auf der Literaturseite der DanteFAQ zu finden. Empfehlenswert scheint mir vor allem Herbert Voß' Einführung in LaTeX (sehr ausführlich und umfangreich) oder Joachim Schlossers Leitfaden für wissenschaftliche Arbeiten mit LaTeX. Ich besitze jedoch beide nicht, so dass ich Fragen dazu nicht beantworten kann. Notfalls, aber wirklich nur notfalls, genügt auch eine LaTeX-Kurzeinführung. Diese sollte man dann aber wirklich komplett und gründlich durcharbeiten.

In den nachfolgenden Beiträgen und Vorschlägen stecken übrigens einige Stunden Arbeit und mehrere Jahre an Erfahrung. Dennoch haben sich mit Sicherheit Fehler eingeschlichen und werden Hinweise irgendwann veralten. Wer solche Dinge findet, kann sie gerne melden, damit ich sie ggf. beseitige.

Das führt mich unweigerlich zu einem Appell an all jene, die eine LaTeX-Vorlage veröffentlichen. Eine solche Veröffentlichung beinhaltet auch eine Verantwortung. Das bedeutet, dass man für eine Vorlage, die man veröffentlicht, auch Support leisten sollte. Genauso sollte sichergestellt sein, dass die Vorlage auch gepflegt wird. Eine ungepflegte Vorlage ohne Support ist nicht nur eine Falle für die Anwender, sie bürdet auch anderen den Support auf, weil Anwender früher oder später in öffentlichen LaTeX-Foren mit den aus der Vorlage resultierenden Probleme aufschlagen werden. Wer nicht bereit ist, die damit verbundene Arbeit zu leisten, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und das eigene Werk ggf. anzupassen und zu verbessern, der sollte besser keine Vorlage veröffentlichen. Für sich selbst darf man hingegen in seine persönliche Vorlage hineinschreiben, was immer man will. Trotzdem empfehle ich auch da, seine Vorlagen schlank zu halten und vor allem gründlich zu dokumentieren, damit man in einigen Jahren bei Problem noch weiß, warum man etwas gemacht hat, und so ggf. eine Chance auf Anpassung an neue Entwicklungen hat. Übrigens findet man Hinweise zu einigen häufigen Fehlern und Problemen auch in meinen FAQ. Musterlösungen für bestimmte Probleme gibt es auf meinen »Wie man …«-Seiten.

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