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Kann ich Seitenstile mit scrpage2 irgendwie zentral definieren?

Konkret geht es darum, dass ich mit scrpage2 ein paar Seitenstile definiert habe, die ich für unterschiedliche Dokumente immer wieder benötige. Muss ich die immer wieder in die Präambel meines Dokuments kopieren, oder geht das auch besser?

Tatsächlich ist in Abschnitt~5.2.3, »Seitenstile verwalten« genau für diesen Zweck die Verwendung einer Datei scrpage.cfg erwähnt. Diese Datei wird wie alle LaTeX-Dateien gesucht. Das bedeutet, dass bei den Voreinstellungen der Standard-Distributionen, die Datei zunächst im aktuellen Arbeitsverzeichnis und dann in den aktiven TEXMF-Bäumen der Installation gesucht wird.

Für Seitenstile, die nur innerhalb eines Projekts gelten sollen, kann man also eine scrpage.cfg mit den entsprechenden Definitionen im Arbeitsverzeichnis des Projekts ablegen.

Will man hingegen für mehrere Projekte dieselbe scrpage.cfg verwenden, so sollte man diese in einem benutzerspezifischen oder einem lokalen TEXMF-Baum ablegen. Dabei muss man darauf achten, die Verzeichnisstruktur im TEXMF-Baum korrekt aufzubauen.

Beispielsweise könnte man bei TeX Live zunächst mit

kpsewhich -var-value=TEXMFHOME

das Wurzelverzeichnis des privaten TEXMF-Baums ermitteln, dort dann tex/latex/koma-script (einschließlich aller Eltern) anlegen und in dieses Verzeichnis dann die Datei scrpage.cfg kopieren.

Unter MiKTeX würde man hingegen beispielsweise unter Eigene Dateien die Verzeichnisstruktur texmf\tex\latex\koma-script anlegen, in das dortige koma-script-Verzeichnis dann scrpage.cfg kopieren. Anschließend öffnet man die MiKTeX-Settings (über das Windows-Start-Menü) und fügt das Verzeichnis Eigene Dateien\texmf auf der Registerkarte "Roots" als neue Wurzel hinzu.

Zu näheren Informationen bezüglich der Installation privater oder lokaler Dateien, sei außerdem auf die Anleitung der jeweiligen TeX-Distribution verwiesen.

Allerdings sei darauf hingewiesen, dass ich es persönlich inzwischen für eine bessere Idee halte, auf Ebene der Dokumentarten einzusteigen und für jede Dokumentart eine Wrapper-Klasse zu erstellen. Diese lädt dann auch scrpage2 und nimmt die gewünschten Seitenstil-Einstellungen vor. Eine Datei scrpage.cfg ist dann nicht mehr notwendig oder sinnvoll. Diese Wrapper-Klasse gibt man dann auch mit dem Dokument weiter.

Die Verwendung von cfg-Dateien für unterschiedliche Teilaspekte von Dokumenten hat dagegen den Nachteil, dass man bei der Weitergabe von Dokumenten daran denken muss, all diese cfg-Dateien mit weiterzugeben. Gerade bei zentral gespeicherten cfg-Dateien vergisst man dies gerne, wenn man ein Dokument außer Haus vergibt. Bei automatisch geladenen Dateien wie scrpage.cfg oder typearea.cfg merkt man nicht einmal, wenn man vergisst diese weiterzugeben. Vergisst man hingegen die Wrapper-Klasse weiterzugeben, so merkt das zumindest der Empfänger sofort und kann diese vergessene Datei gezielt nachfragen.

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