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Kolumnentitel im einseitigen Modus, Überschriften für Unterabschnitte rechte Marke autoonside=false

Guten Tag zusammen,

auf S. 243 des scrguide steht, dass man mit der Wahl der Option autooneside=false im einseitigen Modus eines Berichts eine ähnliche Verwendung des Kolumnentitels erreichen kann, wie im zweiseitigen Modus.
Leider bewirkt diese Option aber nicht, dass die Unterabschnittsüberschriften in der scrartcl-Klasse (bzw. die Abschnittsüberschriften in der scrreprt-Klasse) erst die rechte Marke setzen.
Lässt sich dies auf einfache Weise umsetzen oder wo ist mein Denkfehler? Konkret möchte ich, dass sich der Kolumnentitel in diesem Fall

\documentclass{scrartcl}
\usepackage[autooneside=false]{scrlayer-scrpage}
\pagestyle{scrheadings}
\automark[section]{section}
\automark*[subsection]{}
\usepackage{lipsum}
\begin{document}
\section{Abschnitt}
\lipsum[1-18]
\subsection{Unterabschnitt}
\lipsum[18-28]
\end{document}

so verhält wie in diesem Fall:

\documentclass[twoside]{scrartcl}
\usepackage{scrlayer-scrpage}
\pagestyle{scrheadings}
\automark[section]{section}
\automark*[subsection]{}
\usepackage{lipsum}
\begin{document}
\section{Abschnitt}
\lipsum[1-18]
\subsection{Unterabschnitt}
\lipsum[18-28]
\end{document}

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht ganz, was du bezweckst. Daher kann ich nur darauf hinweisen, dass im einseitigen Modus nur rechte Seiten existieren. Damit ist es vollkommen unmöglich, dass sich die beiden Beispiele gleich verhalten. Wechselnde Kolumnentitel sind auch nur bei doppelseitigen Dokumenten sinnvoll. Wie sich die unterschiedlichen Einstellungen von autooneside auswirken, zeigt das Beispiel aus der KOMA-Script-Anleitung.

Wenn du das Verhalten des doppelseitigen Dokuments willst, warum verwendest du dann kein doppelseitiges Dokument?

Weil ich nicht die übrigen Eigenschaften doppelseitiger Dokumente haben will (Ränder und Seitenzahl). Ich möchte, dass die Unterabschnittsüberschrift erst auf der rechten Seite als Kolumnentitel gesetzt wird, ohne gleichzeitig auf die Seiteneinstellungen einseitiger Dokumente zu verzichten.

Deiner Antwort entnehme ich jedoch, dass dies schlichtweg unmöglich ist. Aber ich kann nicht finden, dass dieser Wunsch so abwegig ist. Das Beispiel aus dem scrguide habe ich so verstanden, dass es wechselnde Kolumnentitel auch im einseitigen Dokument erzeugt - genau das tut autooneside ja in diesem Fall. Lässt man das einmal zu - warum dann nicht auch ein Setzen der Überschrift erst im Kolumnentitel der rechten Seite? Sagst Du nun: es gibt doch nur rechte Seiten im einseitigen Modus, frage ich: warum lässt Du dann wechselnde Kolumnentitel über die Option autooneside=false überhaupt zu?
Diese Logik verstehe ich (noch) nicht (ganz). Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich etwas grundsätzlich falsch aufgefasst habe.

Dass zwei Marken gesetzt werden bedeutet nicht zwangsläufig, dass dies Marken für linke und für rechte Seiten sind. Wie gesagt, gibt es bei einseitigen Dokumenten logischer Weise keine linke und rechten Seiten. Stattdessen werden alle Seiten gleich behandelt. Das hat übrigens nichts mit scrlayer zu tun, sondern ist eine Sache von LaTeX.

Ich konnte zwar den Wunsch, bei einem doppelseitigen Dokument, Ränder für ein einseitiges Dokument haben zu wollen, auch nie ganz nachvollziehen. Soweit ich das beurteilen kann, beachten die meisten Anwender, die das haben wollen nicht, dass die Bindekorrektur extra anzugeben ist. Trotzdem habe ich irgendwann twoside=semi implementiert, um diesem Wunsch nachzukommen. Dabei berechnet typearea Ränder für einseitige Dokumente und verwendet diese Einstellungen für ein doppelseitiges Dokument. Damit ist das Dokument dann für LaTeX insgesamt trotzdem doppelseitig. Vielleicht ist es ja das, was Du willst. Wenn Du die Seitenzahlen und den Kolumnentitel trotzdem mittig haben willst, dann geht das ja einfach mit \cfoot*{\pagemark} und \chead{\headmark} nach einem \clearpairofpagestyles.

autooneside=false ist dagegen mehr für Leute, die beide Marken gleichzeitig im Kopf haben wollen. Es führt lediglich dazu, dass das Befüllen der Marken wie im doppelseitigen Layout funktioniert. Das Befüllen hat nichts damit zu tun, wie die Marken verwendet werden und erst recht keinen Einfluss darauf, ob LaTeX selbst davon ausgeht, dass es linke und rechte Seiten gibt oder nicht. Letzteres wird durch den LaTeX-Kern nur davon bestimmt, ob es ein doppelseitiges Dokument ist oder nicht.

Fazit: Linke und rechte Seiten gibt es nur bei doppelseitigen Dokumenten.
Will man bei einseitigen Dokumente alternierende Kolumnentitel aber keine alternierenden Ränder, verwendet man am besten twoside=semi (setzt die Verwendung von typearea voraus). Will man alternierende Kolumnentitel und alternierende Ränder ist das Dokument ganz normal doppelseitig und man verwendet twoside. Will man weder alternierende Ränder noch alternierende Kolumnentitel ist das Dokument tatsächlich einseitig und man verwendet twoside=false. Dabei sorgt autooneside=true automatisch dafür, dass eine für doppelseitige Dokumente vorgenommene Einstellung für das Befüllen der Marken für die Kolumnentitel automatisch auf die Gepflogenheiten für einseitige Dokumente angepasst wird. Mit autooneside=false kann man diesen Automatismus deaktivieren.

Vielen Dank für die erhellenden Ausführungen. Ich habe tatsächlich rechte/linke Marke mit rechter/linker Seite in einen Topf geworfen. Außerdem kannte ich auch twoside=semi¹ nicht.
Allerdings hat mich der wichtige Hinweis auf S. 231 des scrguides von der beschriebenen Verwendung von \cfoot*{\pagemark}¹ und \chead{\headmark}¹ abgehalten – auch wenn ich die dort enthaltene Warnung nicht verstanden habe.

Wie auch immer, ich kann jedenfalls auf folgende Weise genau das gewünschte Ergebnis erzielen:

\documentclass[twoside=semi]{scrartcl}
\usepackage{scrlayer-scrpage}
\pagestyle{scrheadings}
\automark[section]{section}
\automark*[subsection]{}
\usepackage{lipsum}
\clearpairofpagestyles
\cfoot*{\pagemark}
\chead{\headmark}
\begin{document}
\section{Abschnitt}
\lipsum[1-18]
\subsection{Unterabschnitt}
\lipsum[18-28]
\end{document}

[Admin-Edit:]

  1. <latex></latex> Tags eingefügt (siehe Formatierungshinweise)

Der Hinweis besagt, dass Du nicht etwas wie \chead{Überschrift} oder \chead{\thesection} machen sollst, weil das eben in die Hose gehen kann. Stattdessen solltest Du den Mark-Mechanismus verwenden, also \sectionmark bzw. \markleft, \markright und \markboth zum Setzen der Marken und \leftmark, \rightmark, \headmark etc. für die Ausgabe der Marken im Kolumnentitel.

Achso! Der Hinweis besagte, dass man nicht die Überschrift reinschreiben soll – das ist mir klar, aber wer macht denn sowas? Böse Zungen mögen denken: genau solche Leute, die von rechten und linken Seiten im einseitigen Modus reden. Gegen \chead{\headmark} ist demnach gar nichts einzuwenden. Ich sehe auch gerade, dass ein Beispiel des scrguides (S. 244) einen ähnlichen Befehl verwendet (da hätte ich natürlich einfach nachsehen können). Ich bin beruhigt, zufrieden und danke nochmals herzlich!

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