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Wie man die Seitenzahl im Kopf statt im Fuß ausgibt

Bild von Markus Kohm

In English: How to move the page number from the page footer to the header

Bei den KOMA-Script-Klassen scrartcl, scrreprt und scrbook und deren Seitenstile headings, myheadings und plain erfolgt die Paginierung in der Voreinstellung im Seitenfuß außerhalb des Satzspiegels. In der europäischen Typografie ist das durchaus üblich. Einige Anwender verlangen jedoch explizit, dass die Seitenzahl stattdessen im Kopf gesetzt werden soll. Bei doppelseitigen Dokumenten soll dies meist außen und bündig mit dem Textbereich erfolgen. Bei einseitigen Dokumenten soll es meist rechts, ebenfalls bündig mit dem Textbereich geschehen.

Da die Klassen selbst keine entsprechende Einstellmöglichkeit besitzen, ist hierfür zwingend ein Seitenstil-Paket wie scrlayer-scrpage erforderlich. Die Verwendung von scrlayer-scrpage ist gegenüber beispielsweise fancyhdr zu bevorzugen, weil das KOMA-Script-Paket scrlayer-scrpage besser mit den KOMA-Script-Klassen zusammenarbeitet. Nur mir diesem Paket werden diverse Einstellungen, die von den Klassen geboten werden, automatisch übernommen.

Die einfachste Möglichkeit mit scrlayer-scrpage, die Seitenzahl in den Kopf zu bekommen, ist die Verwendung von Option pagestyleset=standard. Damit werden die Voreinstellungen weitgehend kompatibel mit den Standardklassen. Allerdings schließt das auch ein, dass die Kolumnentitel in eher schlechten (weil nicht ausgeglichen gesperrtem) Versalsatz erfolgen. Um wieder auf gemischte Groß-/Kleinschreibung zurück zu schalten, wird zusätzlich Option markcase=used benötigt. Die Option muss nach Option pagestyleset gesetzt werden, weil damit die Einstellung jener Option geändert werden sollen:

\documentclass{scrbook}
\usepackage[automark,pagestyleset=standard,markcase=used]{scrlayer-scrpage}
\usepackage{blindtext}
\begin{document}
\blinddocument
\end{document}

Wie das Beispiel zeigt, fehlt hier die Seitenzahl auf der ersten Seite eines Kapitels. Dies ist eine Abweichung von den Standardklassen. Die Standardklassen setzen die Seitenzahl auf Kapitelanfangsseiten in der Mitte des Fußes. Dass sie auf Kapitelanfangsseiten nicht den Kopf verwenden, liegt daran, dass sie dort im Kopf mangels Kolumnentitel sehr verloren wirkt, sie stört auch, weil damit die herausragende Wirkung des großen Freiraums über der Kapitelüberschrift und damit die sehr deutliche Erkennbarkeit von Kapitelanfängen vermindert wird. Allerdings ist der Sprung der Seitenzahl in die Mitte des Fußes eher wirkungslos und typografisch fragwürdig. Gleiche Elemente sollten möglichst nicht ihre Position wechseln. Der Leser verwendet die Seitenzahl zum Suchen und betrachtet dabei fast immer ausschließlich die Stelle, an der er die Seitenzahl erwartet. In diesem Fall wird er also immer auf die Position im Kopf blicken und den Fuß unbeachtet lassen. Wenn er aber den Fuß unbeachtet lässt. ist es sinnlos dort eine Seitenzahl zu setzen.

Will man ungeachtet obiger Überlegungen die Seitenzahl auf den Kapitelanfangsseiten trotzdem in der Mitte des Fußes, so kann man dies mit einem zusätzlichen

\cfoot[\pagemark]{}

erreichen. Das obligatorische Argument bleibt hier leer, weil man die Paginierung für scrheadings nicht ändern will. Das optionale Argument gilt hingegen nur für den plain-Seitenstil plain.scrheadings, der unter anderem auf den Kapitelanfangsseiten verwendet wird:

\documentclass{scrbook}
\usepackage[automark,pagestyleset=standard,markcase=used]{scrlayer-scrpage}
\usepackage{blindtext}
\cfoot[\pagemark]{}
\begin{document}
\blinddocument
\end{document}

Will man dagegen, ungeachtet obiger Überlegungen, dass auch bei Kapitelanfangsseiten, die Paginierung im Kopf erfolgt, so kann man dies mit

\ohead*{\pagemark}

erreichen:

\documentclass{scrbook}
\usepackage[automark,pagestyleset=standard,markcase=used]{scrlayer-scrpage}
\usepackage{blindtext}
\ohead*{\pagemark}
\begin{document}
\blinddocument
\end{document}

Hier darf man nicht die Form

\ohead[\pagemark]{}

verwenden, da dann die Seitenzahl auf den Seiten im Seitenstil scrheadings verschwinden würden.

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