Langsam macht sich Wehmut breit

Hallo da draußen!

Einige wenige werden es mitbekommen haben: Das „KOMA-Script Documentation Project“ geht auf komascript.de seinem Ende entgegen. Seit einigen Wochen lösche ich fast jeden Tag Dutzende von Benutzer-Accounts und die zugehörigen Inhalte.

Nachdem ich gerade entdeckt habe, dass komascript.de seit nunmehr 21 Jahren unter Drupal läuft (davor war es schon als Zope-Site vorhanden), erfasst mich nun doch ein wenig Wehmut. Das ist rund 2/3 der Zeit, die ich nun schon an KOMA-Script arbeite. Gesponsort wird die Domain von Anfang an von Robin (von dem ich gar keine gütige E-Mail-Adresse mehr habe). Der Server wird ebenfalls seit 21 Jahren zumindest größtenteils von ein paar freundlichen Recken zur Verfügung gestellt und in Betrieb gehalten. Hin und wieder haben sich auch einzelne KOMA-Script-Anwender an den Kosten beteiligt.

Ein möglicher Abschied auf Raten

Für mich steht außer Frage, dass tiefgreifende Veränderungen stattfinden und weiter anstehen. Deshalb will ich heute einen kleinen Rückblick auf fast 30 Jahre KOMA-Script und mehr als 30 Jahre LaTeX-Engagement werfen. Aus der angerissenen Geschichte leiten sich Konsequenzen ab, die teils längst erkennbar sind. Weitere Veränderungen sind notwendig und sollen nicht verheimlicht werden, ohne dass irgend jemand heute konkret sagen könnte, was die Zukunft tatsächlich bringen wird. Den Kopf in den Sand zu stecken, wird aber nicht mehr funktionieren.

Alle Achtung!

Ich gratuliere Dr. Ingeborg Syllm-Rapoport zu ihrem neu erworbenen Doktortitel. Das war ein mutiger und bewundernswerter Schritt. Gerade unter ihrer eigenen Begründung, warum sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat, kann ich nur sagen: »Hut ab!« Nicht den Verbrechern von damals sondern den Opfern das letzte Wort zu lassen verdient Aufmerksamkeit.

Ein gutes vergangenes Jahr und ein guter Start ins neue Jahr

Silvester ist für die viele Leute ja ein Anlass für Vorsätze, für die sie sich ab Neujahr dann die größte Mühe geben, sie wieder zu vergessen. Für mich ist die Zeit vom 4. Advent bis Silvester inzwischen eher eine Gelegenheit das vergangene Jahr ein wenig zu reflektieren. Vorsätze für das neue Jahr treffe ich hingegen eher keine mehr. Selbst die Frage, was ich mir vom kommenden Jahr erwarte, verkneife ich mir. Stattdessen habe ich täglich den Vorsatz, den Tag so zu nehmen, wie er kommt. Mal bin ich damit erfolgreich mal weniger.

Zeitenwandel

Nächstes Jahr sind es 30 Jahren, dass ich Software schreibe und weiter gebe. Damals war OpenSource nicht so wichtig wie kostenlos. Frei haben wir das trotzdem genannt oder Public Domain. Heute ist OpenSource wichtiger als kostenlos und viele verwechseln beides nur deshalb wieder, weil sie OpenSource-Software in der Regel auch kostenlos bekommen.

Früher gingen wir mit einer Kassette zu einem Kumpel und haben uns zwanzig Mal bedankt, wenn wir nach einer Stunde endlich eine fehlerfreie Kopie und eine Kurzeinführung in die wichtigsten Funktionen hatten. Heute laden sich die Leute in 10 Sekunden die Software samt 396 Seiten Handbuch (die zusätzlichen Anleitungen für tocstyle, scrjura etc. nicht mitgerechnet) von irgendwelchen Servern herunter und beschweren sich, wenn man sie nicht auf Händen dafür trägt, dass sie etwas in der Anleitung nicht gefunden haben.

Ein bisschen Geschichte

In Zeiten, in denen Bundespräsidenten in drei Wahlgängen gewählt werden, fragt sich so mancher, wie das eigentlich früher war, ob das besser war, ob das schlechter war. Also will ich heute ein ganz klein wenig erzählen, wie das mit dem Support für KOMA-Script früher war …

Angefangen habe ich mich KOMA-Script ja bekanntlich zu einer Zeit, als LaTeX 2ɛ erst als Beta verfügbar war und man »Internet« noch als “dazwischen nett« verstanden hat, wenn man nicht gerade interessierter Student einer Technischen Universität war. Damals dauerte es vom Absenden einer Anfrage per E-Mail, bis zum Empfang der E-Mail noch bis zu 24 Stunden. Die Antwort dauerte dann noch einmal genauso lange, wobei ein LaTeX-Lauf statt einige Sekunden auch schon einmal mehrere Minuten dauerte. Also alles eher beschaulich. Was heute eher kurios anmutet, dürfte die Tatsache sein, dass ich zwischen 1994 und 1996 tatsächlich noch einige Anfragen per gelber Post bekommen habe. Da haben Leute sich tatsächlich die Mühe gemacht, mir einen Brief zu schreiben. Wenn es um Feature-Wünsche oder Bugs ging und kein Rückumschlag beigelegt war, bestand meine Antwort teilweise einfach darin, dass ich das Problem beseitigt, und eine neue Version veröffentlich habe. Das ging in der ersten Zeit übrigens per Diskette an Luzia, die im Gegensatz zu mir damals noch nicht in festen Händen war. Teilweise gingen Disketten auch direkt an Leute, die mir welche mit Rückumschlag geschickt hatten.

Aus dem Leben eines Entwicklers

Ich entwickle nun schon seit 30 Jahren in meiner Freizeit Software. Es gab Höhen und Tiefen, viel Freude und viel Frust. Ein wenig davon möchte ich heute berichten.

Von Anfang an war ich bei meinen Freizeitenwicklungen ein Anhänger der Idee, diese Software auch anderen zur Verfügung zu stellen. Als Schüler kam meine Motivation dazu daher, dass ich selbst zu denen gehörte, die sich zwar einen Computer leisten konnten, deren Geld aber nicht auch noch für teure Software reichte. Also war ich sehr froh und dankbar, wenn andere ihre Arbeit kostenlos zur Verfügung stellten und machte es konsequenter Weise genauso. Da ich dann in gewissen Kreisen irgendwann als einer von denen galt, die man fragen kann, wenn man selbst verstehen will, wie man etwas macht, wurde ich irgendwann auch ein Anhänger von OpenSource. Es ist einfacher zu sagen: Schau Dir an, wie ich das gemacht habe, als es mehrfach lang und breit zu erklären.