Der neue Blog ist online

Seit gestern ist der neue Blog hier auf „KOMA-Script and Friends“ online. Angestoßen wurde das dadurch, dass ich beim Aufräumen im alten Blog auf einen interessanten Beitrag gestoßen bin und eine neue Heimat für ihn gesucht habe. Die Lösung war: Den Blog-Bereich von hugo-book in Betrieb zu nehmen.

In einem ersten Impuls habe ich mich dann dazu hinreißen lassen, nahezu alle alten Blog-Beiträge aus dem „KOMA-Script Documentation Project“ für den neuen Blog zu konvertieren. Das macht allerdings nicht nur Arbeit, sondern ist tatsächlich gar nicht sinnvoll. Zwar mag es für mich ganz interessant sein, was in den letzten 18 Jahren so alles passiert ist – die frühesten Beiträge im Blog waren von Anfang 2008 als Drupal 6 installiert wurde –, aber für andere sind die „Olle Kamellen“ eine eher zähe Lektüre. Also habe ich heute damit begonnen, das nochmal umzuorganisieren und mich auf einige wenige, entweder besonders interessante oder repräsentative alte Beiträge zu konzentrieren.

Langsam macht sich Wehmut breit

Hallo da draußen!

Einige wenige werden es mitbekommen haben: Das „KOMA-Script Documentation Project“ geht auf komascript.de seinem Ende entgegen. Seit einigen Wochen lösche ich fast jeden Tag Dutzende von Benutzer-Accounts und die zugehörigen Inhalte.

Nachdem ich gerade entdeckt habe, dass komascript.de seit nunmehr 21 Jahren unter Drupal läuft (davor war es schon als Zope-Site vorhanden), erfasst mich nun doch ein wenig Wehmut. Das ist rund 2/3 der Zeit, die ich nun schon an KOMA-Script arbeite. Gesponsort wird die Domain von Anfang an von Robin (von dem ich gar keine gütige E-Mail-Adresse mehr habe). Der Server wird ebenfalls seit 21 Jahren zumindest größtenteils von ein paar freundlichen Recken zur Verfügung gestellt und in Betrieb gehalten. Hin und wieder haben sich auch einzelne KOMA-Script-Anwender an den Kosten beteiligt.

Ein möglicher Abschied auf Raten

Für mich steht außer Frage, dass tiefgreifende Veränderungen stattfinden und weiter anstehen. Deshalb will ich heute einen kleinen Rückblick auf fast 30 Jahre KOMA-Script und mehr als 30 Jahre LaTeX-Engagement werfen. Aus der angerissenen Geschichte leiten sich Konsequenzen ab, die teils längst erkennbar sind. Weitere Veränderungen sind notwendig und sollen nicht verheimlicht werden, ohne dass irgend jemand heute konkret sagen könnte, was die Zukunft tatsächlich bringen wird. Den Kopf in den Sand zu stecken, wird aber nicht mehr funktionieren.

Das neue Jahr bringt nicht nur Vorsätze

Wer auf komascript.de aufmerksam mitliest, weiß schon länger, dass einige Entscheidungen anstanden und teilweise noch anstehen. Diese sollen dringend notwendige Veränderungen für mich mit sich bringen, haben aber natürlich auch Auswirkungen auf die Anwender. Mit dem neuen Jahr – oder eigentlich bereits kurz vor Weihnachten – sind die meisten dieser Entscheidungen gereift.

Seit mehr als 25 Jahren entwickle und pflege ich KOMA-Script quasi als One-Man-Show. So ganz stimmt das natürlich nicht, denn schon sehr früh bekam ich erste Unterstützung. Damals übernahm Luzia den Upload von KOMA-Script auf den CTAN-Server, weil es für mich extrem umständlich war, per Modem und VT220-Terminal-Zugang zur Uni das damals schon nicht kleine Paket zuerst auf meinen Benutzeraccount an der Uni zu übertragen und dann per ftp auf den CTAN-Server. Axel/Harald schrieb die erste vollständige Anleitung zu KOMA-Script. Der andere Axel steuerte die erste Briefklasse bei. Jahre später investierte Jens-Uwe sehr viel Zeit, die Überarbeitung der Anleitung und die Veröffentlichung als Buch zu betreuen und auch einige Kapitel der neuen Anleitung beizusteuern. Torsten wurde in dieser Zeit unverzichtbar als Ratgeber bei der Entwicklung einer komplett neuen Briefklasse aber auch bei der fortgesetzten Korrektur der Anleitung. Wenige Jahre später wurde Elke für die Weiterentwicklung des Pakets und die Korrektur der Anleitung und der Buchfassung aber auch für den Support im Allgemeinen unverzichtbar. Falk wiederum findet seit Jahren die Fehler, die so tief in KOMA-Script vergraben sind, dass ihre Beseitigung mir immer wieder erhebliche Kopfschmerzen bereitet. Dasselbe gilt für die vielen Anregungen und Erweiterungen, die auf ihn zurück gehen. Uwe hat seit der Jubiläumstagung von DANTE in Heidelberg die Verwaltung der CTAN-Uploads übernommen. Nach Elke, die die komplette Familie dafür eingespannt hat, haben zunächst unter anderem Gernot, dann Krickette und schließlich Karl sich der Übersetzung der KOMA-Script-Anleitung angenommen und diese massiv überarbeitet. Viele weitere stießen im Laufe der Jahrzehnte zum inoffiziellen Team, manche sind wieder in der Versenkung verschwunden. Ohne die ganzen Mitstreiter wäre die Arbeit aber auch der immer wieder entstehende Frust nicht zu bewältigen gewesen. Eine wichtige Rolle haben dabei natürlich auch diejenigen gespielt, die mich auf unterschiedliche Weise aufgemuntert und ermutigt haben. Eine zentrale Rolle spielte auch meine Familie, die mir überhaupt ermöglicht haben, Jahre in die Entwicklung und Pflege dieses Monsters zu stecken.

Tolle Leute

Ich sollte diese Seite einfach selbst öfter lesen. Sie erinnert mich nämlich immer wieder daran, dass ich es sehr oft auch mit tollen Leuten zu tun habe. Wenn ich mir die ganzen Geschenke in Erinnerung bringe und die Kontakte mit netten Menschen, die über die Jahre entstanden sind, dann motiviert das am Ende doch wieder sehr. Ganz unabhängig vom Wert der Geschenke, vermitteln sie mir, dass die ganze – teilweise auch recht nervenaufreibende – Arbeit doch nicht für die Katz ist, sondern für andere einen Wert hat.

Vielen herzlichen Dank an den bekannten Spender!

Hey, eigentlich wollte ich ja nur unter „Danke an unbekannte Spender“ ein Dankeschön für die Geschenke ohne bekannten Absender auflisten, weil ich mich bei den Leuten eben nicht persönlich bedanken kann. Und eigentlich wollte ich keine Geschenke herausstellen. Alle Geschenke haben ihren ganz individuellen Wert für mich! Aber gestern ist etwas geschehen, davon muss ich einfach berichten.

Mit Vorankündigung kam gestern ein Paket von jemandem an, den ich nicht etwa deshalb sehr schätze, weil er mir schon häufiger größere Geschenke gemacht hat (beispielsweise den Schreibtischstuhl, auf dem ich gerade sitze), sondern auch weil er mit seinen durchdachten Vorschlägen und qualifizierten Problembeschreibungen KOMA-Script immer wieder ein gutes Stück voran gebracht hat und vor allem, weil ich beim E-Mail-Verkehr mit ihm nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, sondern auch mal flapsig sein kann und wir, wenn ich Mist baue, gemeinsam darüber lachen können. Schon als ich das Paket entgegen genommen habe, vibrierte in mir die Vorfreude. Ich wusste ja, was darin ist. Deshalb habe ich es auch sehr vorsichtig ausgepackt. Als ich das gute Stück, dann in Händen hielt, war wirklich unfassbar, wie schön es ist! Hier ein Bild von dem Schmuckstück:

Es geschehen noch Zeichen und Wunder

So zumindest kommt es einem manchmal vor. Für den Anwender könnte eines diese Wunder sein, dass es nach vier Jahren endlich eine neue, überarbeitete Auflage des KOMA-Script-Buches geben wird. Dass es dieses Mal so lange gedauert hat, hat zwei Ursachen. An erster Stelle richtet sich eine Neuauflage nach der Nachfrage. Bis zur vierten Auflage war die Nachfrage nach einem gedruckten Buch sehr hoch. Die dritte Auflage war sogar so stark nachgefragt, dass es davon inhaltlich unveränderte Nachdrucke gegeben hat. Bei der fünften Auflage war die Nachfrage dagegen von Anfang an eher moderat. Die Verkaufszahlen blieben zwar über die vier Jahre recht stabil aber insgesamt stellte sich mir doch die Frage, ob sich die ganze Arbeit für eine sechste Auflage überhaupt lohnt. Scheinbar hat diese sechste Auflage nur 88 Seiten mehr. Tatsächlich kam aber so viel neues hinzu, dass ich mich gezwungen sah, einige weniger wichtige Kapitel aus dem Anhang zu entfernen und auch sonst moderat zu kürzen. Ohne das wären es mehr als 100 Seiten mehr geworden. Erfreulicher Weise konnte der Verlag den Preis so halten.

Das Buch lebt!

Das Alter bringt es mit sich, dass man ab und an den Blick in die Vergangenheit schweifen lässt. Die einen verharren dabei in nostalgischer Betrachtung. Andere nutzen den Blick über einen Zeitraum von vielleicht einem halben Jahrhundert, um daraus visionäre Spiegelungen für die Zukunft zu projizieren. Gerne würde ich mich selbst zu letzteren Visionären zählen, obwohl ich in der Rückschau auch gerne den Standpunkt dessen einnehme, der im Nachhinein mal wieder schlauer ist. Da ich vorzugsweise die Dinge reflektiere, bei denen meine eigenen Visionen aus jungen Jahren trotz damals vollkommenen Fehlens jeglicher erfahrenen Rückbetrachtung zutreffend waren, könnte man auch annehmen, dass ich schon immer schlauer war.

Weihnacht!

In diesem Jahr wird es (wieder einmal) keine Weihnachtsrelease von KOMA-Script geben. Zwar befindet sich Version 3.22 sogar in einem Zustand, der eine Release ermöglichen würde, aber mir waren in diesem Jahr andere Dinge wichtiger. Wie so oft wollte keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen. Das Wetter war sowohl in meteorologischer als auch politischer Sicht eher deprimierend als weihnachtlich. Wie heißt es doch im Schweinachtsmann: »Wenn alles hetzt und rennt, ist garantiert Advent!« oder so ähnlich.

Lass Dich nicht von einem Hobby stressen!

Gestern habe ich mich mit einem Menschen unterhalten, den ich kaum kenne. Es begann mit der harmlosen Fragen, wie es so bei mir läuft. Wir kamen dann recht schnell zu dem Punkt, was meine Stressfaktoren sind. Nach etwas Nachdenken kam ich darauf, dass eines meiner Hobbys ein ganz entscheidender Stressfaktor ist. Die gute Frage war dann, wie das komme. Zunächst habe ich über diese Frage genau so nachgedacht, wie sie gestellt war. Was stresst mich an meinem Hobby? Wie kommt es, dass ich ausgerechnet das Hobby als einen maßgeblichen Stressfaktor betrachte? Ich könnte jetzt hier natürlich all die Faktoren aufzählen, die dazu führen. Als ich damit gestern begonnen habe, ist mir aufgefallen, dass ich mein Hobby zunehmend verteidigt habe. Das hat mir auch ein gewisses Lächeln eingebracht. Ich habe das so interpretiert, dass ich die übliche Antwort geben wollte und genau genommen mit dieser Antwort total auf dem Holzweg bin.