Nacht- und Nebelaktion

Da es unmöglich war, mit einem sinnvollen zeitlichen Aufwand, alle notwendigen Information zur automatischen Migration nach SourceForge von den Verantwortlichen bei BerliOS zu bekommen, habe ich heute Vormittag in einer Nach-und-Nebel-Aktion die Quellen von KOMA-Script selbst nach SourceForge migriert.

Für diejenigen unter Euch, die mit dem Repository arbeiten, bedeutet das, dass sie ebenfalls zum SourceForge Repository von KOMA-Script wechseln müssen.

Mich selbst wirft das in einigen wenigen Punkten etwas zurück, weil ich beispielsweise die weitgehend automatisierte Erstellung neuer Pakete und Releases noch auf dieses Repository umstellen muss. Allerdings war mir die Gefahr, dass der Umzug dann schief geht, wenn ich nur noch Stunden dafür habe, einfach zu groß.

Ende mit Chance zum Neuanfang – BerliOS schließt die Entwicklerplattform endgültig

Seit mehr als einem Jahrzehnt ist KOMA-Script als Projekt bei BerliOS beheimatet. Entstanden ist die Partnerschaft, als ich für KOMA-Script 3 eine Heimat für ein öffentliches Source-Repository gesucht habe. Damals gab es mit LPPL als Lizenz bei diversen der bekannteren, kostenlosen OpenSource Hoster noch einige Probleme. BerliOS erkannte aber bereits damals LPPL als freie Lizenz an. Außerdem fand ich den Gedanken, meine Quellen nicht jedes Mal über sämtliche Kontinente zu schicken, vernünftig. Beides zusammen war der Hauptgrund, warum ich mich damals zu einem Projekt koma-script3 auf BerliOS entschieden habe.

The never ending story …

Wieder einmal eine neue KOMA-Script-Release und wieder einmal dasselbe Theater, wie es in unregelmäßigen Abständen auftritt, wenn ich eine neue Release für eines meiner LaTeX-Pakete erstelle. Da dies auch in die Frage hineinspielt, warum es tatsächlich bis zu dieser KOMA-Script-Release so lange gedauert hat und warum es beispielsweise das titlepage-Paket nur hier auf komascript.de nicht aber bei anderen Distributoren gibt,1 wäre es unehrlich, das ganze einfach unter den Teppich zu kehren.

Bin ich verrückt?

Vor einigen Minuten hat mich eine Mail erreicht, in der mich ein Bekannter und bekennender KOMA-Script-Anwender rundheraus gefragt hat, ob ich verrückt sei. Tja, gute Frage.

Hintergrund war, dass ich demjenigen erzählt habe, was ich so alles an freiwilligen Tätigkeiten ausübe angefangen von meinem kirchlichen Engagement über diverse »Hey, kannst Du am Samstag auf unsere beiden Jüngsten aufpassen?« – »Klar, warum nicht!« über meinen OpenSource-Engagement bis hin zu: »Die Vorlage von https://bitsundbytesiminternetsindgeduldig.invalid ist sooo an dem vorbei, wie man das mit KOMA-Script machen sollte, da muss ich unbedingt einen Tag investieren, um dem armen Anwender, der darauf reingefallen ist, mal zu zeigen, wie es richtig geht.« Wann habe ich das letzte Mal ein Buch gelesen? Kaum zu glauben vor zwei Wochen!

Zeitenwandel

Nächstes Jahr sind es 30 Jahren, dass ich Software schreibe und weiter gebe. Damals war OpenSource nicht so wichtig wie kostenlos. Frei haben wir das trotzdem genannt oder Public Domain. Heute ist OpenSource wichtiger als kostenlos und viele verwechseln beides nur deshalb wieder, weil sie OpenSource-Software in der Regel auch kostenlos bekommen.

Früher gingen wir mit einer Kassette zu einem Kumpel und haben uns zwanzig Mal bedankt, wenn wir nach einer Stunde endlich eine fehlerfreie Kopie und eine Kurzeinführung in die wichtigsten Funktionen hatten. Heute laden sich die Leute in 10 Sekunden die Software samt 396 Seiten Handbuch (die zusätzlichen Anleitungen für tocstyle, scrjura etc. nicht mitgerechnet) von irgendwelchen Servern herunter und beschweren sich, wenn man sie nicht auf Händen dafür trägt, dass sie etwas in der Anleitung nicht gefunden haben.

BerliOS macht dicht!

Zu befürchten war es bereits nach einem Rundschreiben, in dem gefragt wurde, wie man BerliOS nutzt und was man selbst bereits wäre, für den Service zu leisten. Jetzt ist es amtlich: BerliOS schließt zum 31. Dezember die Pforten.

Für KOMA-Script hat das durchaus erhebliche Konsequenzen. Nicht allein, dass das Repository von KOMA-Script seit vielen Jahren bei BerliOS angesiedelt ist und es natürlich Arbeit macht, das zu einem anderen Hoster zu übertragen. Diverse Scripte von der ChangeLog-Erstellung bis zur halbautomatischen Release-Erzeugung basieren ganz wesentlich auf der Arbeitsweise mit BerliOS. Das alles um zu stellen wird eine Menge Arbeit werden.

Nichts im Leben ist umsonst

Obwohl eine alte Weisheit sagt, dass nichts im Leben umsonst ist, gibt es im Internet scheinbar unzählige Dinge umsonst. Dazu gehören auch diverse Foren wie komascript.de. Tatsächlich kosten all diese Dinge irgend jemanden immer irgend etwas. In vielen Fällen werden Web-Auftritte über Werbung finanziert. In einigen Fällen hat sich auch schon erwiesen, dass kommerzielle Anbieter der Datensammelwut verfallen sind und diese Daten gewinnbringend nutzen.

Über die Datensammler braucht man eigentlich nicht viel zu sagen. Ich betrachte das als keine seriöse Möglichkeiten, den Betrieb zu finanzieren oder gar Gewinn damit zu machen. Die »KOMA-Script Documentation Project«-Betreiber sehen das genauso. Alle Daten, die das System zum Zwecke des Betriebs erhebt oder ermittelt und speichern muss, bleiben da wo sie hingehören: im System bzw. im Backup.

Frohe Weihnachten!

In diesem Jahr will ich nicht nur allen KOMA-Script-Anwendern frohe Weihnachten wünschen, sondern habe selbst auch von einer reichen Bescherung zu berichten.

In meinem letzten Blog-Beitrag1 hatte ich ja davon berichtet, dass meine Rechner den vielfältigen Aufgaben im Bereich der KOMA-Script-Entwicklung – allen voran Test und Support – nicht mehr gewachsen sind. Ich hatte deshalb nach brach liegenden Windows-Lizenzen gefragt aber auch darum gebeten, die Hardware-Kisten nach noch brauchbaren Teilen zu durchforsten. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen im Advent besonders milde gestimmt sind. Ich selbst vermute allerdings, dass es mit Advent sehr wenig zu tun hatte, dass diese Nachfrage zu frühen Weihnachtsgeschenken führte, wie ich es mir nicht hätte träumen lassen.

Ein bisschen Geschichte

In Zeiten, in denen Bundespräsidenten in drei Wahlgängen gewählt werden, fragt sich so mancher, wie das eigentlich früher war, ob das besser war, ob das schlechter war. Also will ich heute ein ganz klein wenig erzählen, wie das mit dem Support für KOMA-Script früher war …

Angefangen habe ich mich KOMA-Script ja bekanntlich zu einer Zeit, als LaTeX 2ɛ erst als Beta verfügbar war und man »Internet« noch als “dazwischen nett« verstanden hat, wenn man nicht gerade interessierter Student einer Technischen Universität war. Damals dauerte es vom Absenden einer Anfrage per E-Mail, bis zum Empfang der E-Mail noch bis zu 24 Stunden. Die Antwort dauerte dann noch einmal genauso lange, wobei ein LaTeX-Lauf statt einige Sekunden auch schon einmal mehrere Minuten dauerte. Also alles eher beschaulich. Was heute eher kurios anmutet, dürfte die Tatsache sein, dass ich zwischen 1994 und 1996 tatsächlich noch einige Anfragen per gelber Post bekommen habe. Da haben Leute sich tatsächlich die Mühe gemacht, mir einen Brief zu schreiben. Wenn es um Feature-Wünsche oder Bugs ging und kein Rückumschlag beigelegt war, bestand meine Antwort teilweise einfach darin, dass ich das Problem beseitigt, und eine neue Version veröffentlich habe. Das ging in der ersten Zeit übrigens per Diskette an Luzia, die im Gegensatz zu mir damals noch nicht in festen Händen war. Teilweise gingen Disketten auch direkt an Leute, die mir welche mit Rückumschlag geschickt hatten.

Verwirrung?

Letzte Woche hat es ein Anwender geschafft, mich auf sehr angenehme Weise zu verwirren. Damit hat er mir nebenbei auch noch das Thema für heute geliefert.

Angefangen hat die Geschichte damit, dass ich im Garten gearbeitet habe und meine Nachbarin vorbei kam. Sie habe mir ein Paket vor die Tür gestellt, das bei ihr abgegeben wurde. Artig bedankte ich mich, wobei ich mich bereits im Stillen wunderte, was das wohl sein könnte. Eigentlich erwartete ich kein Paket. Als ich dann meinen Krempel zusammenpackte und mich zur Haustür begab, wuchs die Verwunderung noch. Da stand ein größerer Karton, in dem es leicht klapperte. Absender war ein Weingut. Hm, vor ein paar Wochen hatte ich unvorsichtiger Weise am Telefon zwei Fragen zum Thema Wein beantwortet. Verkaufen wollte man mir damals nichts, aber man weiß ja nie. Also erst einmal dem Mittagessen und den Kindern widmen und die Kiste stehen lassen.